"Toxische Beziehung" - wenn eine Beziehung nicht mehr guttut
Vielleicht fragen Sie sich schon länger, was mit Ihrer Beziehung passiert ist. Sie geraten immer wieder in dieselben Konflikte, fühlen sich verletzt oder nicht mehr verstanden. Vielleicht zweifeln Sie inzwischen an sich selbst – oder daran, ob Ihnen diese Beziehung überhaupt noch guttut.
Und irgendwann taucht möglicherweise die Frage auf:
Ist unsere Beziehung toxisch?
Der Begriff „toxische Beziehung“ ist inzwischen allgegenwärtig. Er kann helfen, Worte für etwas zu finden, das schon lange belastet. Gleichzeitig kann er vorschnell eine Antwort geben, bevor überhaupt klar ist, was zwischen zwei Menschen eigentlich geschieht.
Was bedeutet „toxische Beziehung“?
„Toxische Beziehung“ ist kein klar definierter psychologischer Fachbegriff. Vielleicht erleben Sie in Ihrer Beziehung jedoch Verhaltensweisen, die Sie zunehmend belasten oder verletzen und die sich immer wiederholen – Abwertung, heftige Eskalationen, Rückzug, Misstrauen, Druck oder Kontrolle. Solche Erfahrungen werden heute häufig mit dem Begriff „toxische Beziehung“ beschrieben.
Auch Gaslighting kann dabei eine Rolle spielen. Vielleicht erleben Sie, dass Ihre Wahrnehmung immer wieder infrage gestellt oder Geschehenes anders dargestellt wird. Mit der Zeit können Sie dadurch unsicher werden, ob Sie dem eigenen Erleben noch trauen können. Das kann sehr belastend sein und verdient es, genauer betrachtet zu werden.
Gleichzeitig macht nicht jeder Streit, nicht jede Verletzung und nicht jede Krise eine Beziehung „toxisch“. Konflikte, unterschiedliche Bedürfnisse und schwierige Zeiten gehören auch zu Beziehungen.
Wird „toxisch“ vorschnell zum Etikett, kann der Begriff den Blick darauf verstellen, was zwischen Ihnen tatsächlich geschieht.
„Toxisch“ – und wer ist dann schuld?
Der Begriff legt schnell eine bestimmte Rollenverteilung nahe: Einer ist „toxisch“, der andere leidet darunter.
Für eine Veränderung ist es jedoch meist hilfreicher, nicht bei der Frage stehenzubleiben, wer von beiden „toxisch“ ist. In der Paartherapie geht es auch darum, sich selbst und den anderen besser zu verstehen: Was bewegt mich zu meinem Verhalten? Was geschieht dabei auf der anderen Seite? Und warum finden wir miteinander immer wieder an einen Punkt, an dem es uns beiden nicht gutgeht?
Verstehen bedeutet dabei nicht, jedes Verhalten gutzuheißen oder zu entschuldigen. Aber es kann einen anderen Blick aufeinander ermöglichen – und damit auch die Möglichkeit, etwas zu verändern.
Emotionale Abhängigkeit in einer toxischen Beziehung
Vielleicht haben Sie das Gefühl, nicht mehr Sie selbst sein zu können, ständig auf der Hut zu sein oder mit Ihren Bedürfnissen kaum noch vorzukommen.
Gleichzeitig kann die Vorstellung, den anderen zu verlieren, große Angst auslösen. Sie stellen eigene Bedürfnisse immer wieder zurück oder halten an der Beziehung fest, obwohl Sie schon lange unter ihr leiden. Ihr Gefühl von Sicherheit hängt zunehmend davon ab, wie Ihr Partner sich Ihnen gegenüber verhält.
Emotionale Abhängigkeit bedeutet nicht automatisch, dass eine Beziehung „toxisch“ ist. Sie kann es aber erschweren, die eigene Situation klar einzuschätzen und zu spüren, was Sie selbst möchten und was Ihnen guttut.
Wo Paartherapie an ihre Grenzen kommt
Nicht alles, was in einer Beziehung geschieht, lässt sich als gemeinsames Beziehungsgeschehen verstehen. Wenn Gewalt, Bedrohung oder massive Einschüchterung eine Rolle spielen, liegt die Verantwortung dafür bei demjenigen, der dieses Verhalten ausübt.
In einer solchen Situation muss zunächst geklärt werden, ob Paartherapie überhaupt ein geeigneter und sicherer Rahmen sein kann.
Was Paartherapie klären kann
Vielleicht wissen Sie im Moment nicht, ob Sie Ihre Beziehung verändern können – oder ob Sie sie überhaupt noch weiterführen möchten.
Paartherapie kann Ihnen einen Raum geben, genauer hinzuschauen: Was ist zwischen Ihnen geschehen? Was lässt sich verändern? Und was brauchen Sie beide, damit Ihre Beziehung wieder eine andere werden kann?
Dabei muss das Ergebnis nicht von Anfang an feststehen. Es kann auch darum gehen, gemeinsam herauszufinden, ob und unter welchen Bedingungen Ihre Beziehung eine Zukunft haben kann – oder ob eine Trennung der richtige Weg für Sie ist.
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